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Seelsorge im Bezug auf das Zusammenleben

Eine herausragende Frage unserer christlichen Gesellschaft ist es, wie wir mit der immer wachsenden Problematik des außerehelichen Zusammenlebens umgehen sollen, welche Meinungen äußert die Zivilsphäre und die kirchliche Gesellschaft dazu.

Die Stiftung Studium Academicum beschäftigte sich zusammen mit der holländischen Stiftung "Fundament“ mit dieser Frage am 20. August an der Konferenz in Fugyivásárhely.

"Auch dort wo keine Chance gibt, kann es Hoffnung geben.“ - sagte Barnabas Balogh in der Einführungsandacht, die er mit dem Beispiel des biblischen Hagar veranschaulichte: Jede Wüste verbirgt eine Quelle in sich, d.h. jede Aussichtslosigkeit, jede Sorge und Ziellosigkeit die Möglichkeit der Lösung in sich trägt, sei es in oder außer der Ehe. Diese Aussage soll man an den - oft falsche - Lösungen suchenden und benutzenden Seelen  weitergeben. 

Das Seminar baute sich auf drei Vorlesungen auf. Zwei Repräsentanten der holländischen Stiftung "Fundament“, Pfarrer Henk de Vries und Bert Woudt, näherten sich der Frage aus der biblischen Perspektive an. Im Co-Referat zählte Pfarrer Szabolcs Kovács einige christlich-gesellschaftliche Sichten im Zusammenhang mit dem Thema auf.

Der erste Vortrag zeigte durch Aufzählung verschiedener biblischen Blickwicnkeln, dass die Frage in der Geschichte der Menschheit (schon in der Welt der Bibel) durchgehend präsent war.

Die vorgelesene Bibelverse aus dem Alten und Neuen Testament, bewegten die Zuhörer dazu, sich mit der Frage auch in den christlichen Familien rechtzeitig und offen zu beschäftigen um dadurch die Kinder auf eine gesunde Lebensstil vorbereiten zu können. 

Der zweite Vortrag skizzierte die seelsorgerliche Lehren betreffs Zusammenleben.  Obwohl der Referent zugab, dass zwischen den holländischen und siebenbürgischen kirchlichen Gebrauch erkennbare Unterschiede gibt, signalisierte er, dass in den grundsätzlichen seelsorgerlichen Fragen doch Gemeinsamkeiten gibt.

In der Vortrag redete man über die Erkenntnisse und Reaktionen der verschiedenen (städtischen und dörflichen) Gemeinden. In der Zusammenfassung wurden praktische Tipps genannt: Du sollst die Betroffenen nicht verurteilen, frage nach den Gründen und Ansprüchen; Du sollst nicht umschreiben sondern alles beim Namen nennen; Suche nach den richtigen Weg nur mit der Miteinbeziehung der Betroffenen; Du sollst keine Lösungen über ihren Köpfe hinweg treffen.  

Im dritten Vortrag des Tages, im  Co-Referat von Szabolcs Kovacs, wurden die theologisch-gesellschaftliche Faktoren des Themas formuliert.

Der Vortrag beinhaltete drei Hauptpunkte:

  • die Familie, als eine von Gott gesegnete Gemeinschaft;
  • das Phänomen des außerehelichen Zusammenlebens;
  • die Möglichkeiten der Seelsorge;

Beeinflussende Umstände des Phänomens:

  • die Abhängigkeit der Familie von den gesellschaftlichen Veränderungen;
  • der starke Einfluss der Volksgebräuche;
  • psychologische Hintergründe;

Der Referent veranschaulichte die Chancen der Seelsorge mit einem Zitat von Goethe, dann zählte er die Vielfalt der Möglichkeiten auf:

"Wenn wir die Menschen nehmen wie sie sind, machen wir sie schlechter. Wenn wir sie so sehen wie sie sein sollen, dann machen wir sie zu Solchen die sie sein könnten.“ (Goethe)

Abschliessend wurden viele Fragen formuliert: Wie war die frühere seelsorgerliche Praxis in der westlichen Kirche bzw. zu Hause und wie ist sie zur Zeit? Welche Möglichkeiten ergeben sich wenn Gewalt innerhalb der Familie vorkommt? Was geschieht, wenn das Kind gegen den elterlichen Willen Schritte tut - schließt man es einfach aus?

Nach Praxis der früheren Kirche erklärte man vieles mit der Sünde, und nur vertikale Sichtpunkte wurden beachtet. In der heutigen seelsorgerlichen Praxis, achtet man auf die unsichtbare Faktoren der horizontalen, d.h. zwischenmenschlichen Kontakten. Heute wird in jeder Frage dem Kennen - lernen  der menschlichen Seele eine wichtige Rolle zugeordnet. Betont werden Lösungen, die die menschliche Seele befreien.

Am Ende der Konferenz gingen Referenten und Teilnehmer zufrieden fort, denn die Konferenz war eine gute Gelegenheit um neue Möglichkeiten und Perspektiven kennen zu lernen.